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Agriculture

Herbstdüngung nach der neuen Dünge-Verordnung

Was geht noch im Raps?

Raps ist eine Intensivkultur, die vor allem rund um die Aussaat ein perfektes ackerbauliches Management erfordert. Denn zwei Drittel des späteren Rapsertrages werden bereits durch die Vorwinter-Entwicklung des Bestandes bestimmt. Gehen die Rapspflanzen zu schwach entwickelt in die Vegetationsruhe, lässt sich dieses Defizit im Frühjahr nicht mehr aufholen. Damit wird auf Ertrag verzichtet. Deshalb müssen alle ackerbaulichen Maßnahmen darauf abzielen, bis zum Winter einen gesunden, gleichmäßigen und ausreichend kräftigen Bestand aufzubauen. Die Pflanzen sollten mit 10-12 Blättern und einem Wurzelhalsdurchmesser von circa 10 mm in den Winter gehen. Dies ist die Voraussetzung für ein gutes Regenerationsvermögen des Rapses im Frühjahr.

Ein optimal geführter Rapsbestand nimmt im Herbst je nach Witterungsverlauf bereits 70 bis 90 kg Stickstoff auf. Diese Menge kann im Normalfall nicht allein durch Mineralisierung von organisch gebundenen Bodenstickstoff zur Verfügung gestellt werden. Mit Inkrafttreten der neuen Dünge-Verordnung stellen sich die Landwirte daher verstärkt die Frage, ob und in welchem Umfang noch eine Stickstoff-Düngung zu Raps im Herbst möglich ist.

Düngung am Bedarf orientieren!

Die Verordnung macht für die Herbstdüngung mit Stickstoff im Raps folgende Vorgaben:

Bestimmung des Stickstoffbedarfes vor der Düngung

Begrenzung der N-Menge auf 60 kg/ha Gesamt-N beziehungsweise 30 kg/ha Ammonium-N

N-Düngung nur zulässig bei Raps, der vor dem 15. September gesät wird, damit der Stickstoff vor Eintritt der Vegetationsruhe noch im Aufwuchs gebunden werden kann.

Aus dem gleichem Grund muss die Düngung bis spätestens zum 1. Oktober erfolgen.

Wenn der Raps 70 bis 90 kg Stickstoff vor dem Winter aufnehmen soll, so kann dieser Stickstoff aus dem Nmin-Vorrat des Bodens, aus der Mineralisierung von organisch gebundenem Bodenstickstoff sowie aus der Zufuhr von organischen oder mineralischen Düngern kommen. Soll nach der Getreideernte Gülle auf die Stoppeln ausgebracht werden, hat sich die Güllemenge nach dem erwarteten Stickstoffbedarf des Rapses zu richten. In jedem Falle sind aber die in der Dünge-Verordnung gesetzten Obergrenzen von 60 kg Gesamtstickstoff beziehungsweise 30 kg Ammoniumstickstoff einzuhalten. Diese Stickstoffmengen werden bei Schweinegülle meist schon mit Gaben von 10 bis 12 Kubikmetern ausgeschöpft. Das „großzügige“ Ausfahren von Gülle vor der Rapsaussaat dürfte damit endgültig vorbei sein. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass auf Betrieben mit langjähriger Gülle- oder Gärrestausbringung im Herbst ohnehin mehr Stickstoff aus dem Boden nachgeliefert wird.

Aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten, nach Ernte der Hauptfrucht noch organische Dünger auszubringen, werden viehhaltende Betriebe die zulässige Gülledüngung zu Raps soweit als möglich ausnutzen, um vor Beginn der Sperrfrist noch ausreichend Lagerraum frei zu machen. Der Stickstoffbedarf des Rapses bis zum Winter wird dabei durch die organischen Dünger gedeckt, so dass hier keine mineralische Stickstoffdüngung gebraucht wird.

Die Begrenzung der N-Menge auf 60 kg Gesamtstickstoff je Hektar in der Dünge-Verordnung macht pflanzenbaulich Sinn, denn bei einem Überangebot an Stickstoff neigt der Raps zum Luxuskonsum. Zudem gehen die Bestände bei einer überzogenen Stickstoffdüngung und einem milden, langen Herbst vorzeitig ins Streckungswachstum über, was das Auswinterungsrisiko stark erhöht.

Mineralische Stickstoffdüngung im Herbst?

Anders sieht es bei reinen Ackerbaubetrieben aus, die keine organischen Dünger aufnehmen. Der durch Mineralisierung im Boden verfügbar werdende Stickstoff wird größtenteils gleich wieder von Bakterien und Pilzen festgelegt, die diesen zum Abbau des Getreidestrohs nutzen. Sie konkurrieren sehr erfolgreich mit den jungen, zunächst nur schwach bewurzelten Rapspflänzchen um den begehrten Stickstoff. Hier hat sich gezeigt, dass eine angemessene mineralische Stickstoffgabe im Herbst die Jugendentwicklung fördert und die Rapsbestände besser in den Winter gehen lässt. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat in den Jahren 2008 bis 2010 in einer Serie von insgesamt 10 Versuchen an vier verschiedenen Standorten einen durchschnittlichen Mehrertrag von 2,1 dt/ha erzielt, wenn 40 Kilogramm Stickstoff bei der Frühjahrsdüngung eingespart und statt dessen schon im Herbst verabreicht wurden (Abb. 1). Zu allen Terminen wurde der Stickstoff einheitlich in Form von Ammonsulfat-Salpeter gedüngt. Diese Ergebnisse bestätigen die Praxiserfahrung, dass unter süddeutschen Verhältnissen eine bedarfsgerechte Stickstoffgabe im Herbst – sei es durch Gülle oder Mineraldünger - durchaus vorteilhaft ist. Der im Herbst verabreichte Stickstoff kann – wie diese Versuche auch zeigen - bei der Frühjahrsgabe voll angerechnet werden. Auf diese Weise verbessert sich die N-Effizienz, da mit der gleichen Stickstoffmenge höhere Erträge erzielt werden. Möglicherweise lässt sich durch eine platzierte Düngung zur Saat, z.B. durch eine Reihen- oder Unterfußdüngung, die Stickstoffgabe im Herbst noch reduzieren und die Stickstoffeffizienz somit weiter steigern.

In Beständen, die vor der Saat weder Wirtschaftsdünger noch Mineraldünger erhalten haben, kann es im Laufe des Herbstes zu verzögertem Wachstum und Aufhellungen aufgrund von Stickstoffmangel kommen. Dieser Mangel zeigt sich vor allem dann, wenn nach der Getreideernte größere Strohmengen auf der Fläche verblieben sind. In diesem Fall empfiehlt es sich, dem Raps bis spätestens zum 1. Oktober mit einer Gabe von etwa 30 kg Stickstoff eines schnell wirkenden Düngers, zum Beispiel Kalkammonsalpeter, auf die Sprünge zu helfen.

Sonderfall Kalkstickstoff

Auf Standorten mit langjährigen Rapsfruchtfolgen wirkt die Herbstdüngung besonders effektiv, wenn hier die Nebenwirkungen von Kalkstickstoff auf bodenbürtige Schaderreger genutzt werden. In den letzten Jahren wurden dabei gute Erfahrungen mit einer Düngung unmittelbar vor der Aussaat des Rapses gemacht. Auf leichten Böden wird eine Gabe von 200, auf den übrigen Böden von 200 - 250 Kilogramm Kalkstickstoff empfohlen. Diese Düngergaben enthalten 40 bis 50 kg/ha Gesamtstickstoff in nachhaltig wirksamer sowie 100 bis 125 kg/ha Kalk in rasch wirksamer Form. Da der Dünger idealerweise nicht- oder nur flach eingearbeitet werden soll, entfaltet sich die erwünschte Kalkwirkung nur in den obersten Zentimetern des Bodens, also genau dort, wo die Rapssaat keimt. Wegen der langsamen und gleichmäßigen Stickstoffwirkung des Düngers kommt es in der Folgezeit weder zu einem Überwachsen des Bestandes noch zu einer Anreicherung von Nitrat in den Pflanzen, so dass eine optimale Winterhärte erhalten bleibt.

Frühe Infektionen mit Kohlhernie verursachen im Raps besonders große Schäden. Wenn die Primärwurzel befallen wird und sich dort eine Kohlhernie-Galle bildet, kann die Pflanze keinen Ertrag mehr bringen; meist stirbt sie noch im Laufe des Winters ab. Versuche haben gezeigt, dass nach einer Kalkstickstoff-Düngung zur Saat der Raps seltener schon im Herbst von der Kohlhernie befallen wird. Später geht der Infektionsdruck allein aufgrund der sinkenden Bodentemperaturen zurück, so dass die Kultur dann gute Chancen hat, mit einem gesunden Wurzelapparat in den Winter zu gehen. Auf Feldern mit Kohlhernie-Problem kann die Kalkstickstoffdüngung auf bis zu 300 kg/ha erhöht werden. Hier dürfen allerdings keine weiteren Stickstoffquellen hinzukommen, so dass die Obergrenze von 60 Kilogramm Gesamtstickstoff eingehalten wird. Ziel dieser Düngung sind gleichmäßige Bestände mit weniger Fehlstellen und Kümmerern sowie ein dichtes und intaktes Wurzelsystem. Damit werden die Voraussetzungen für ein hohes Nährstoff-Aneignungsvermögen und eine optimale Ausnutzung der Mineraldünger im Frühjahr geschaffen. Eine gezielte und wohlüberlegte Herbst-Düngung sorgt auf diese Weise gerade in engen Rapsfruchtfolgen für eine hohe Stickstoff-Effizienz.

Fazit:

Die neue Dünge-Verordnung zielt beim Raps vor allem auf eine Vermeidung übermäßiger Stickstoffgaben im Herbst. Das wird sich insbesondere auf die organische Düngung auswirken, denn allein wegen der Kosten wurden Mineraldünger auch bisher schon sehr bedarfsorientiert eingesetzt. Wo nach der Hauptfruchternte Gülle oder Gärreste ausgebracht werden, besteht für mineralischen Stickstoff im Herbst kein Bedarf mehr. Auf Flächen ohne Wirtschaftsdünger kann auch künftig eine angemessene mineralische Stickstoffdüngung im Herbst erfolgen. Die Obergrenzen und zeitlichen Vorgaben der Dünge-Verordnung sind dabei einzuhalten. Der im Herbst verabreichte Stickstoff ist bei der Frühjahrsdüngung voll in Abzug zu bringen. Wenn die Bestände durch eine bedarfsgerechte Herbst-Düngung optimal ins Frühjahr gehen, verbessert sich die Stickstoff-Effizienz des Rapsanbaus, weil mit gleicher Stickstoffstoffmenge ein höherer Ertrag erzielt wird.

Dr. Hans-Jürgen Klasse

Dr. Hans-Jürgen Klasse